641203 Literatur, Denken, Kunst I: Medea. Der intermediale Entwicklungsweg eines antiken Mythos
Wintersemester 2011/2012 | Stand: 27.02.2012 | LV auf Merkliste setzen641203
Literatur, Denken, Kunst I: Medea. Der intermediale Entwicklungsweg eines antiken Mythos
VU 2
5
14tg.
keine Angabe
Deutsch
Diese Lehrveranstaltung verfolgt drei Ziele: In einem ersten Schritt sollen die Studierenden mit grundlegenden Texten der modernen Mythentheorie vertraut gemacht werden. Im Mittelpunkt stehen dabei v.a. die theoretischen Ansätze von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno, Roland Barthes, Hans Blumenberg, René Girard und Jan Assmann. Um die vielfältigen Position der modernen Mythentheorie in einem paradigmatischen Überblick zu veranschaulichen, werden außerdem in Auszügen Texte von Claude Lévi-Strauss, Northorp Frye, Jean-Jacques Wunenburger u.a.m. zur Diskussion gestellt. In einem zweiten Schritt wird die praktische Anwendbarkeit dieser Theorien am Beispiel des Medea-Mythos überprüft. Und schließlich werden in einem dritten Schritt intra- und intermediale Neuperspektivierungen und Neukontextualisierungen des Medea-Mythos aus mythentheoretischer Perspektive untersucht. Besondere Berücksichtigung findet dabei "intermediale Transpositionen" (Werner Wolf) in das Medium Film z.B. Piere Paolo Pasolinis "Medea" (1969) mit Maria Callas in der Hauptrolle und Lars von Triers "Medea" (1988) nach dem Drehbuch von Carl Theodor Dreyer.
Kaum eine Figur der antiken Mythologie ist im Laufe der Jahrtausende so facettenreich und ambivalent gestaltet worden, wie die der Medea. Doch die unheimliche Anziehungskraft dieser lange tabuisierten mythischen Gestalt faszinierte nicht nur SchriftstellerInnen, die den Stoff in Anlehnung an Euripides' und Senecas Drama neu interpretierten, sondern auch Komponisten, Librettisten und Filmemacher. Der Figur der Medea ist damit – wie Inge Stephan es so treffend formuliert – eine "multimediale Karriere" gelungen. Je nach historischem, sozialem und gendertheoretischem Hintergrund der KünstlerInnen, die sich des Mythos annahmen, werden auch ganz unterschiedliche Gesichter Medeas in den Vordergrund gestellt: so ist sie verratene und betrogene Liebende, verstoßene Ehefrau, verfolgte und missverstandene Fremde ebenso wie mordende Mutter, heilende Zauberin und intrigante Giftmischerin. Im Rahmen dieser LV stellt sich nun v.a. die Frage, wie der Mythos "Medea" heute dargestellt bzw. medial neu- und umgestaltet wird. Außerdem soll versucht werden, bestimmte mythentheoretische Positionen über die Grenzen des sprachlichen, schriftlich-fixierten Mediums Literatur hinaus (z.B. in Musik und Film) anzuwenden. Analysiert werden sowohl intertextuelle (z.B. von Jean Anouilh, Franz Grillparzer, Christa Wolf) Neuinterpretationen, als auch intermediale (z.B. Luigi Cherubini, Sasha Waltz, Pasolini etc.).
Die mythentheoretischen Grundpositionen werden anhand von Vorträgen der LV-Leiterin sowie in Diskussionsgruppen mit den Studierenden erarbeitet. Die intermedialen Bezüge zum Medea-Mythos werden in Referaten und anschließenden Diskussionen ausgearbeitet.
Um die LV positiv abzuschließen, müssen während des Semesters im Rahmen von Diskussionsgruppen Impulsreferate gehalten und am Ende des Semesters eine schriftliche Arbeit (Shortpaper, Umfang ca. 5 Seiten) erbracht werden. Zusätzlich wird die aktive Beteiligung an den Diskussionen in die Benotung miteinbezogen.
1. Barner, Wilfried u.a. (Hg.): Texte zur modernen Mythentheorie. Stuttgart: Reclam 2007.
2. Clauss, James J. (Hg.): Medea. Essays on Medea in myth, literature, philosophy, and art. (Princeton paperbacks).
3. Girard, René (Hg.): Die verkannte Stimme des Realen. Eine Theorie archaischer und moderner Mythen. München u.a.: Carl Hanser 2005. (Edition Akzente Hanser)
4. Horkheimer, Max / Adorno, Theodor W.: Dialektik der Aufklärung. Frankfurt a. M.: Fischer 172008.
5. Kerényi, Karl: Iason und Medeia. In: Ders.: Die Mythologie der Griechen. Die Heroen-Ge-schichten. München: dtv 222008, S. 197-220.
6. Lütkehaus, Ludger (Hg.): Mythos Medea. Leipzig: Reclam 2001. (Reclam Bibliothek 20006)
7. Stephan, Inge: Medea. Multimediale Karriere einer mythologischen Figur. Köln: Böhlau 2006.
Beginn: Mo 17.10.
- Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
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Gruppe 0
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| Datum | Uhrzeit | Ort | ||
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Mo 17.10.2011
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13.45 - 17.00 | 40112 40112 | Barrierefrei | |
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Mo 24.10.2011
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13.45 - 17.00 | 40112 40112 | Barrierefrei | |
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Mo 07.11.2011
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13.45 - 17.00 | 40112 40112 | Barrierefrei | |
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Mo 21.11.2011
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13.45 - 17.00 | 40112 40112 | Barrierefrei | |
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Mo 05.12.2011
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13.45 - 17.00 | 40112 40112 | Barrierefrei | |
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Mo 09.01.2012
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13.45 - 17.00 | 40112 40112 | Barrierefrei | |
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Mo 23.01.2012
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13.45 - 17.00 | 40112 40112 | Barrierefrei | |