720310 VL Theorien, Methoden und Forschungsergebnisse der Angewandten Psychologie: Transformation und gesellschaftliche Umbrüche in Zeiten von Unsicherheit und Komplexität

Sommersemester 2026 | Stand: 18.12.2025 LV auf Merkliste setzen
720310
VL Theorien, Methoden und Forschungsergebnisse der Angewandten Psychologie: Transformation und gesellschaftliche Umbrüche in Zeiten von Unsicherheit und Komplexität
VL 2
4
Block
semestral
Deutsch

Nach Abschluss des Seminars verfügen die Studierenden über ein vertieftes Verständnis zentraler gesellschaftlicher Transformationsprozesse aus einer kritisch-sozialpsychologischen Perspektive. Sie sind in der Lage, individuelle Erfahrungen, kollektive Deutungsmuster und strukturelle Machtverhältnisse in ihrem wechselseitigen Zusammenspiel zu analysieren und kritisch zu reflektieren. Die Studierenden können zentrale Annahmen der Mainstream-Psychologie – insbesondere im Hinblick auf Arbeit, Leistung, Neutralität und Fortschritt – historisch, ideologiekritisch und machttheoretisch einordnen und hinterfragen.
Darüber hinaus entwickeln sie die Fähigkeit, psychologisches Wissen nicht nur erklärend, sondern explizit kritisch-reflexiv und anwendungsorientiert einzusetzen. Sie können eigenständige Projektkonzepte entwerfen, die theoretische Perspektiven der kritischen Psychologie mit praktischen Anwendungsfeldern (z. B. Bildung, Intervention, Organisations- oder Öffentlichkeitsarbeit) verbinden. Das Seminar stärkt ihre Kompetenzen in kritischer Selbstreflexion, interdisziplinärem Denken und der reflexiven Auseinandersetzung mit der eigenen Positionierung als zukünftige Psycholog:innen in gesellschaftlichen Transformationsprozessen.

Das Seminar thematisiert gegenwärtige gesellschaftliche Umbrüche aus einer kritisch-sozialpsychologischen Perspektive. Im Zentrum steht die Frage, wie multiple Krisen – insbesondere die ökologische Krise, die AI-getriebene Transformation von Arbeit und Produktion sowie zunehmende politische Polarisierung – individuelle Lebensentwürfe, gesellschaftlichen Zusammenhalt und politische Orientierungen prägen.
Inhaltlich konzentriert sich das Seminar auf zwei eng miteinander verbundene Themenfelder:

  1. Arbeit im Spannungsfeld neoliberaler Ideologie und ökologischer Krise
    Analyse von Normalitätsannahmen zu Arbeit, Leistung, Produktivität und Fortschritt sowie deren psychologische Reproduktion und Legitimation unter Bedingungen ökologischer Grenzen und digitaler Automatisierung.
  2. Gesellschaftliche und politische Polarisierung unter steigender Klimaungerechtigkeit
    Untersuchung psychosozialer Dynamiken von Ungleichheit, Zugehörigkeit, Exklusion und politischer Polarisierung im Kontext global ungleicher Klimafolgen.

Darüber hinaus reflektiert das Seminar die Rolle der Psychologie selbst: ihre historischen Verstrickungen, ihre gegenwärtigen blinden Flecken und ihr Potenzial für Kritik, Reflexion und gesellschaftliche Mitgestaltung.

Das Seminar verbindet theoretische Auseinandersetzung mit erfahrungsbasierten und anwendungsorientierten Lehr-Lern-Formaten.
Zentrale Elemente sind:

  • Theoretische Fundierung:
    Gemeinsame Lektüre und Diskussion zentraler Texte der kritischen Psychologie zu Macht, Ideologie, Arbeit, Ökologie, Ungleichheit und gesellschaftlicher Teilhabe.
  • Kritisch-reflexives Lernen:
    Interaktive, teils verkörperte und erfahrungsorientierte Übungen, die es ermöglichen, gesellschaftliche Narrative, implizite Annahmen und eigene Positionierungen nicht nur kognitiv, sondern auch situativ und leiblich zu reflektieren.
  • Projektarbeit:
    Entwicklung eigenständiger, praxisnaher Projektkonzepte in Kleingruppen (1–3 Personen), z. B. in Form kleiner empirischer Untersuchungen, Bildungs- oder Workshopformate, Interventionen oder digitaler Werkzeuge.

Das didaktische Konzept fördert aktives, reflexives und forschungsnahes Lernen und setzt Offenheit für experimentelle und interdisziplinäre Zugänge voraus.

Die Prüfungsleistung besteht aus einer projektbasierten Arbeit in Kleingruppen (1–3 Personen).
Diese umfasst:

  • die Entwicklung und Präsentation eines eigenständigen Projektkonzepts im zweiten Blockseminar sowie
  • die Ausarbeitung eines schriftlichen Abschlussberichts, in dem theoretische Bezüge, kritische Reflexionen und praktische Implikationen des Projekts systematisch dargestellt werden.

Bewertet werden insbesondere die theoretische Fundierung, die kritisch-reflexive Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Macht- und Ungleichheitsverhältnissen, die Verbindung von Theorie und Anwendung sowie die Qualität der Reflexion der eigenen Perspektive.

Abgabe Schlussbericht 21.06.2026

* vor dem ersten Block zu lesen

*Parker, Ian. „Critical Psychology: What It Is and What It Is Not“. Social and Personality Psychology Compass 1, Nr. 1 (2007): 1–15. https://doi.org/10.1111/j.1751-9004.2007.00008.x.

*Teo, Thomas. „Critical psychology: A geography of intellectual engagement and resistance“. American Psychologist (US) 70, Nr. 3 (2015): 243–54. https://doi.org/10.1037/a0038727.

siehe Termine
Gruppe 0
Datum Uhrzeit Ort
Fr 17.04.2026
13.15 - 18.15 UR 1 (Sowi) UR 1 (Sowi) Barrierefrei
Sa 18.04.2026
09.00 - 14.00 UR 1 (Sowi) UR 1 (Sowi) Barrierefrei
Fr 08.05.2026
13.15 - 18.15 online (Psychologie) online (Psychologie) ONLINE
Fr 29.05.2026
13.15 - 18.15 Seminarraum EG005/2 (Grauer Bär) Seminarraum EG005/2 (Grauer Bär)
Sa 30.05.2026
09.00 - 14.00 Seminarraum EG005/2 (Grauer Bär) Seminarraum EG005/2 (Grauer Bär)
Gruppe Anmeldefrist
01.02.2026 00:00 - 21.02.2026 23:59
Hinweis:

Sie müssen für jede Lehrveranstaltung dieses Bereichs Ihre Präferenz abgeben!!

Aufgrund der Präferenzvergabe wird eine möglichst gerechte Verteilung per Zufall unter der Berücksichtigung Ihrer Präferenzen gewährleistet!

Überprüfen Sie unbedingt Ihre Anmeldung in LFU:online. Alle Prüfungen, die bis zum Ende der Anmeldefrist elektronisch erfasst worden sind, werden automatisch bei der Seminarplatzvergabe berücksichtigt.

Ausführliches können Sie auf unserer Homepage nachlesen.

------------

Spätestens im Laufe des 23.02.2026 finden Sie Ihre bearbeiteten Anmeldungen in LFU:online im Bereich "meine LV Anmeldungen".

Kuhn S.